zwd Berlin. Die BMK-Präsidentin und bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) legte in ihrer Stellungnahme anlässlich der 7. BMK am 26 März in Berlin einen Fokus darauf, die Erkenntnisse aus dem IQB Bildungstrend 2024 konsequent zu nutzen. Im Unterricht müssten "konkrete Veränderungen“ umgesetzt werden. Bundesbildungsministerin Prien mahnte, man dürfe sich mit dem Rückgang bei den Schüler:innen-Kompetenzen nicht abfinden. Jedes Kind solle "die Chance auf bessere Bildung" haben und seine Potenziale "unabhängig von Herkunft und Startbedingungen" entfalten.
Prien
fordert Umsetzung wirksamer Ansätze und Stärkung von Schulen
Prien
forderte, der Bund und die Länder sollten auf Basis von Evidenzen
handeln, wirksame Herangehensweisen rasch realisieren und spürbar
die Schulen stärken. Die Ministerin betonte, beide trügen gemeinsam
für gerechtere Bildung und stärkere Schulleistungen der Kinder
Verantwortung. Als Erstes ist laut der vereinbarten
Strategie vorgesehen, dass die Länder mit Beteiligung des Bundes von insgesamt 7 festgelegten
Handlungsfeldern datengestützte, schul- und unterrichtsbezogene
Qualitätsentwicklung voranbringen, Lernvoraussetzungen von
Schüler:innen, vor allem sozial-emotionale Kompetenzen und Selbstwirksamkeit, verbessern und Erkenntnisse der Bildungsforchung
direkt in Maßnahmen für Unterrichtspraxis übertragen.
Streichert-Clivot: Unterstützung stärken, wo sie besonders dringlich ist
Die saarländische Bildungsministerin und Koordinatorin der A-Länder Christine Streichert-Clivot (SPD) erkennt im IQB-Bildungstrend 2024 "ein deutliches Signal". Aus der steigenden Ungleichheit bei Bildungschancen leitet Streichert-Clivot die Aufgabe ab, dass "wir gezielter und wirksamer werden müssen". Faktische Veränderungen sollten ihrer Ansicht nach "im Unterricht, in der Förderung und an den Übergängen im Bildungssystem" ansetzen. Es gelte, allen Kindern Aufmerksamkeit zu widmen und "Unterstützung dort zu stärken, wo sie am dringendsten gebraucht" werde.
Dafür
benötige man "mehr Verbindlichkeit" und eine besser
abgestimmte Vorgehensweise, hob die SPD-Politikerin hervor. Nach Auffassung der nordrhein-westfälischen Schulministerin und
B-Länder-Koordinatorin Dorothee Feller (Union) sollte man in der
Folge der IQB-Studie die Unterrichtsqualität noch zielgerichteter
als bisher "in den Mittelpunkt stellen". Man müsse sich
verstärkt fragen, wie sich die Jugendlichen besser erreichen ließen
und wie man ihnen im Unterricht Erfolgserlebnisse verschaffen könne.
Strategie
soll Anteil leistungsschwacher Schüler/innen deutlich reduzieren
Die
von der BMK beschlossene sog. Roadmap fasst die Resultate des
gemeinsamen Arbeitsprozesses von Bund und Ländern zusammen, der nach
Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) wissenschaftliche
Fachkenntnisse und Schulpraxis mit einbezogen habe. Bund und Länder
streben demnach an, im Laufe der nächsten Dekade den Anteil von Kindern, die schulische Mindeststandards nicht schaffen, deutlich zu
reduzieren und hervorragende Lernleistungen speziell zu fördern.
Weitere, im BMK-Plan umrissene zentrale Aufgabenfelder betreffen das
Handeln von Schulaufsicht und Schulleitungen, frühkindliche
Sprachförderung, Lehrkräftebildung sowie Sicherstellen der Qualität
von Unterrichtsmaterialien. Diese seien gemäß der Strategie der
Minister:innen in einem zeitlich beschränkten, "strukturierten,
länderoffenen Austausch()" über die Staatsminister:innen vertiefend zu bearbeiten, um geeignete Ansätze und Maßnahmen zu
entwickeln.
Hintergrund des Strategie-Papiers bildet der im Oktober 2025 veröffentlichte
IQB-Bildungstrend, bei dem die zum dritten Mal (nach 2018 und 2012)
in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern getesteten
Schüler:innen der 9. Klasse in Sekundarstufe I nach Aussagen des IQB
"besorgniserregend" schwache Ergebnisse erzielten. Der Studie
zufolge erreichten 8,8 Prozent der 15-/ 16-Jährigen in Mathematik
nicht den Mindeststandard für den Ersten Schulabschluss (ESA), über
ein Drittel (34,1 Prozent) verfehlte das minimale Niveau der
Mittleren Reife (MSA), knapp 10 Prozent mehr als noch 2018 (24,3
Prozent). Bei Schüler:innen, die wenigstens einen MSA absolvieren
möchten, stieg die Quote derjenigen, welche den Mindeststandard
dafür nicht schaffen, in Mathematik auf 23,6 Prozent (+ 5 Prozent).
Beim Fachwissen in Biologie verdoppelte sich die Rate im Vergleich
mit 2018 auf ein Zehntel (2018: 5,4 Prozent), in Chemie nahm sie um
7,6 Prozentpunkte auf über ein Viertel zu (2018: 16,8 Prozent), in
Physik um 7,4 Prozent (2018: 8,8 Prozent).
Soziale Disparitäten gestiegen, erhebliche Kompetenzunterschiede
Die
geschlechtsbezogenen Disparitäten zwischen Schüler:innen blieben seit 2018 überwiegend gleich: Jungen schnitten durchgängig
in Mathematik besser (+ 12 Punkte) ab als Mädchen, Mädchen in den
Naturwissenschaften besser (+ 21 bis 4 Punkte) als Jungen.
Demgegenüber stiegen seitdem die sozio-ökonomischen Unterschiede
zwischen den Jugendlichen. In allen untersuchten Kompetenzbereichen
sei die Beziehung von gemessenen Leistungen und
wirtschaftlich-sozialem Status der Familien substanziell, heißt es
in der Studie, d.h. Schüler:innen mit sozial privilegiertem
Hintergrund erreichten im Mittel bessere Leistungen. Das Verhältnis
von Fähigkeitswerten und sozio-ökonomischem Status, beschrieben
über den sog. sozialen Gradienten, habe sich aber seit der
Vorgänger-Untersuchung nicht signifikant geändert.
Die
Werte lagen wie schon 2012 und 2018 in den geprüften Fächern bei 34
bis 40 Punkten, um welche die Leistungen von sozial benachteiligten
Schüler:innen und denjenigen aus wirtschaftlich durchschnittlich
gestellten Familien differierten. Für das anhand der in den
Haushalten vorhandenen Büchern angegebene kulturelle Kapital stellte
das Forscher:innen-Team fest, der Anteil der Jugendlichen aus
Familien mit über 100 Büchern im Regal sei wie schon zwischen 2012
(46,5 Prozent) und 2018 (40,4 Prozent) erneut gesunken, auf
nunmehr 37,5 Prozent. Schüler:innen aus Familien, die insgesamt mehr
Bücher besitzen, würden in allen untersuchten Fähigkeitsfeldern im
Mittel ausgeprägt höhere Kompetenzwerte erlangen. Die mit dem
kulturellen Kapital verknüpften, erheblichen Diskrepanzen in den
getesteten Leistungen seien andererseits im Wesentlichen stabil
geblieben.